Diabetes und Blutglukose

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Martin Füchtenbusch

Gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen ei­ner Kor­ti­son-The­ra­pie und ei­nem er­höh­ten Blutglu­ko­se­spie­gel? Wie wirkt sich Tabakkonsum auf den Blutglukosespiegel aus? Hier finden Sie eine Auswahl an häufig gestellten Fragen zum Thema Diabetes und Blutglukose, mit denen Ihnen Patientinnen und Patienten in der Praxis möglicherweise begegnen. 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Kortison-Therapie und einem erhöhten Blutglukosespiegel?

Kortison und andere Kortikosteroide können als Gegenspieler des Insulins den Blutglukosespiegel erhöhen. Dies gilt nicht für die Anwendung von kortisonhaltigen Salben. Ein Zusammenhang mit der Einnahme von kortisonhaltigen Tabletten oder auch hochdosierten Kortisonsprays ist jedoch seit langem nachgewiesen.

Kortikoide vermindern die Insulinsensitivität des Gewebes, regen die Glukoneogenese an und reduzieren die Glukoseverwertung. Des Weiteren wirken sie sich negativ auf die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse aus. Während der Kortison-Behandlung ist es daher wichtig, den Blutglukosespiegel engmaschig zu kontrollieren und die Insulindosis eventuell entsprechend anzupassen.

Darüber hinaus gehört Kortison zu den häufigsten Auslösern von Typ-3e-Diabetes, der durch Chemikalien oder Medikamente ausgelöst wird. Diese Form des Diabetes kann sich bei sinkenden Kortisonspiegeln beziehungsweise bei reduzierter oder beendeter Kortison-Therapie wieder vollständig zurückentwickeln.

Was ist der Unterschied zwischen Blutzucker und Gewebezucker (CGM)?

Blutzucker und Gewebezucker stimmen nicht immer exakt überein: Die Glukose muss aus dem Blut erst ins Gewebe gelangen. Wenn die Blutglukose rasch ansteigt oder abfällt, zum Beispiel nach dem Essen oder Sport, dann dauert es eine gewisse Zeit, bis diese Veränderung auch im Gewebe gemessen werden kann.

Ist der Blutglukosespiegel stabil, stimmen beide Werte recht gut überein.

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM-Systeme) messen nicht den Blutzucker, sondern den Gewebezucker. Der Sensor des CGM-Systems liegt dabei im Unterhautfettgewebe am Bauch oder Oberarm. Würde der Sensor die Blutglukose messen, müsste er in einem Blutgefäß liegen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Blutglukosespiegels und Rauchen?

Generell ist bekannt, dass Rauchen das Diabetes-Risiko erhöht und dass Raucherinnen und Raucher mit Diabetes ein erhöhtes Risiko einer schlechteren Blutglukosekontrolle haben.

Woran dies genau liegt, ist noch nicht vollständig geklärt, erste Hinweise haben Forschende aber bereits.

Das Nikotin im Tabak beeinflusst den Blutglukosespiegel gleich durch mehrere Hebel. Personen, die rauchen, zeigen in Untersuchungen einen höheren Blutglukosespiegel als andere. Wenn dauerhaft zu viel Glukose im Blut ist, fördert dies langfristig die Entstehung von Typ-2-Diabetes.

Die Insulinausschüttung scheint bei Raucherinnen und Rauchern ebenfalls verändert zu sein. Studien deuten darauf hin, dass Nikotin die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse hemmt. 

Darüber hinaus wurden im Blut von Raucherinnen und Rauchern erhöhte Werte des Giftstoffes Arsen entdeckt. Diese könnten ebenfalls zu einem höheren Blutglukosespiegel beitragen.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem schlechtem HbA1c- und niedrigem Ferritinwert?

Studien zeigen, dass der HbA1c-Wert neben der Blutglukose, auch durch die Lebenszeit der roten Blutkörperchen beeinflusst werden kann. In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 beschreiben Forschende, dass Eisenmangel und eine durch Eisenmangel verursachte Blutarmut die Lebenszeit der roten Blutkörperchen verlängern und damit den HbA1c-Wert erhöhen können. Ferritin ist ein Eiweißmolekül des Körpers, das Eisen speichern kann. Ein niedriger Ferritinwert deutet auf einen Eisenmangel hin.

Bei Eisenmangel beziehungsweise Blutarmut kann es demnach vorkommen, dass der HbA1c-Wert erhöht ist, obwohl die Blutglukose in den vergangenen 3 Monaten gut eingestellt war. Wenn also der HbA1c-Wert nicht zu den Blutglukosewerten passt, wird empfohlen, das Blut in Hinblick auf mögliche Störungen der roten Blutkörperchen zu überprüfen.

 

(English, E. et al.: The effect of anaemia and abnormalities of erythrocyte indices on HbA1c analysis: a systematic review. In: Diabetologia, 2015; doi: 10.1007/s00125-015-3599-3)

Quellen:

Deutsche Diabetes Gesellschaft: Häufig verkannt: Sonderformen des Diabetes – Auslöser können Medikamente, Virusinfektionen, Mukoviszidose oder Gendefekte sein. Pressemeldung vom 06. August 2019 (Letzter Abruf: 22.10.2020)
Hemmer, M. C. et al.: E47 modulates hepatic glucocorticoid action. In: Nature Communications, 2019, 10: 306
Slatore, C. G. et al.: The association of inhaled corticosteroid use with serum glucose concentration in a large cohort. In: Am J Med, 2009, 122: 472-478
Suissa, S. et al.: Inhaled corticosteroids and the risks of diabetes onset and progression. In: Am J Med, 2010, 123: 1001-1006
Stand: 22.10.2020