Weibliches Auge mit langen Wimpern

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Folgeerkrankungen

Die Augen schützen

Wissenschaftliche Unterstützung: Gidon Bönhof

Diabetes kann Schäden an den Augen verursachen. Es ist wichtig, diese möglichst früh zu erkennen. Dabei helfen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Fachleute kritisieren, dass diese häufig nicht wahrgenommen werden und rufen Menschen mit Diabetes dazu auf, regelmäßig zur Augenärztin oder zum Augenarzt zu gehen. Behandelnde Medizinerinnen und Mediziner sollten ebenfalls darauf achten.

Diabetes ist die weltweit führende Ursache für Sehbehinderungen bei Menschen im berufstätigen Alter (20 bis 65 Jahre). In Deutschland hat rund jeder 4. Mensch mit Typ-1-Diabetes eine sogenannte Retinopathie, also Netzhauterkrankung. Von den Menschen mit Typ-2-Diabetes ist etwa jeder 6. betroffen. Häufig weist die Netzhaut bereits bei der Neudiagnose eines Typ-2-Diabetes Schäden auf. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) kritisierte nun in einer Pressemitteilung, dass empfohlene Vorsorgeuntersuchungen bei etwa jedem 3. Menschen mit Diabetes nicht stattfinden.

Die diabetische Augenerkrankung wird von vielen Betroffenen zunächst nicht bemerkt. Daher sollten sich Menschen mit Diabetes alle 2 Jahre auf Netzhautveränderungen untersuchen lassen, wenn keine weiteren Risikofaktoren vorliegen. Falls einer oder mehrere Risikofaktoren für die Entwicklung einer diabetischen Augenerkrankung bestehen, sollte man jedes Jahr zur Augenärztin oder zum Augenarzt gehen.

Die DDG empfiehlt Menschen mit Typ-1-Diabetes ab dem 11. Lebensjahr oder spätestens 5 Jahre nach der Diagnosestellung und Menschen mit Typ-2-Diabetes sofort nach einer Diagnosestellung eine Kontrolle des Augenhintergrundes. Diese soll außerdem auch außerplanmäßig bei einer schnellen und deutlichen Blutzuckerneueinstellung kurzfristig erfolgen.

Warnzeichen und Risikofaktoren für eine Augenerkrankung

Betroffene bemerken diabetische Netzhautschäden meist erst im fortgeschrittenen Stadium. Anzeichen sind ein verschwommenes, unscharfes Sehen sowie dunkle Flecken oder rote Schleier im Gesichtsfeld. Durch kleine Blutungen oder Unterversorgung des Gewebes kann es dazu kommen, dass sich die Netzhaut ablöst. Dies kann sich, bildlich gesprochen, durch „Lichtblitze” oder „Rußregen” zeigen.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie sind Bluthochdruck, ein schlecht eingestellter Blutzucker, ein bereits länger bestehender Diabetes, ein vorangegangener oder aktueller Tabakkonsum sowie hormonelle Umstellungen durch die Pubertät oder während einer Schwangerschaft. Als starker Risikofaktor für ein schnelles Voranschreiten einer diabetischen Augenerkrankung gilt das gleichzeitige Vorliegen einer diabetischen Nierenerkrankung (Nephropathie).

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Quellen:
Under the lens: diabetic retinopathy. Editorial. The Lancet, 2020, 8: 869
Deutsche Diabetes Gesellschaft: Unterschätzte Retinopathie: Zu wenig leitliniengerechte Augenarzt-Kontrollen bei Diabetes. Pressemitteilung vom 15.10.2020
Hammes. H-P. et al.: Diabetische Retinopathie und Makulopathie. In: Diabetologie, 2019, 14: S240-S242