Schwarz-weiß Foto einer Frau, die die rechte Hand auf die Brust legt.

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Folgeerkrankungen

Frauen mit Diabetes haben ein höheres Herzschwäche-Risiko

Wissenschaftliche Unterstützung: PD Dr. Julia Szendrödi

Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) gilt als häufige Folgeerkrankung eines Diabetes. Eine große Übersichtsstudie zeigt, dass insbesondere bei Typ-1-Diabetes viel mehr Frauen als Männer von dieser lebensbedrohlichen Schwäche des Herzens betroffen sind.

Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere dann, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist. Darunter zählt auch die Herzschwäche, eine meist über mehrere Jahre abnehmende Kraft des Herzens, die sich zunächst häufig durch Kurzatmigkeit merkbar macht. In der Vergangenheit haben Studien bereits gezeigt, dass bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen mit Diabetes häufiger auftreten als bei Männern; beispielsweise eine koronare Herzerkrankung (KHK) oder ein Schlaganfall.

Werden Frauenherzen häufiger schwach?

Derartige Unterschiede sind wichtig zur Vorbeugung und für die Behandlung von Folgeerkrankungen. Ob auch die Herzschwäche im Zusammenhang mit Diabetes ein eher weibliches als männliches Phänomen ist, hat ein internationales Forschungsteam anhand von 14 Bevölkerungsstudien analysiert. Diese Studien wurden von 1966 bis 2018 durchgeführt und untersuchten den Zusammenhang von Diabetes und dem Auftreten einer Herzschwäche. In allen Studien wurden insgesamt 47 Studiengruppen mit mehr als 12 Millionen Patientinnen und Patienten untersucht.

Unterschied bei Typ-1-Diabetes besonders ausgeprägt

Die Analyse dieser Daten zeigte, dass Frauen – egal, ob sie an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind – eher eine Herzschwäche entwickeln als Männer mit Diabetes. Besonders deutlich zeigte sich der Geschlechterunterschied beim Typ-1-Diabetes: Bei dieser Diabetes-Form ist das Herzschwäche-Risiko bei Frauen um 47 Prozent höher als bei Männern; bei Typ-2-Diabetes um 9 Prozent.

Für das stärkere Risiko der Frauen liefert das Forschungsteam mehrere Erklärungen: Zum einen könnte das höhere Herzschwäche-Risiko mit dem höheren KHK-Risiko von Frauen mit Diabetes zusammenhängen. Bei einer KHK sind die Herzkranzgefäße verengt, woraus sich wiederum eine Herzschwäche entwickeln kann. Zudem haben Studien gezeigt, dass eine Diabetes-Erkrankung speziell bei Frauen häufig nicht optimal behandelt wird. Das kann unter Umständen eine diabetische Schädigung des Herzmuskels (Kardiomyopathie) zur Folge haben, erklären die Autorinnen und Autoren. Diese chronische Herzschwäche tritt unabhängig von einer KHK oder einem Bluthochdruck auf.

Fazit: Lebenszeit gewinnen – durch rechtzeitiges Erkennen und Behandeln

Diese Analyse der Daten von vielen Millionen Menschen lässt darauf schließen, dass von einer Herzschwäche als Folgeerkrankung des Diabetes verhältnismäßig mehr Frauen als Männer betroffen sind. Das unterstreicht die Feststellung aus vorherigen Studien, dass Frauen mit Diabetes anfälliger sind für die Art der Folgeerkrankungen als Männer.

Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen, sowohl für die weitere Erforschung als auch für die Behandlung des Diabetes und die Vorbeugung gegen Folgeerkrankungen. Zum einen sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Diabetes-Forschung auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern stärker eingehen. Zum anderen sollten Vorbeugung und Behandlung der jeweiligen Erkrankung auf die unterschiedlich hohen Risiken von Männern und Frauen zugeschnitten sein, fordert das Forschungsteam. Denn wird eine möglicherweise lebensbedrohliche Herzschwäche frühzeitig erkannt und behandelt, können Betroffene wertvolle Lebenszeit gewinnen.

 

Quelle:
Ohkuma, T. et al.: Diabetes as a risk factor for heart failure in women and men: a systematic review and meta-analysis of 47 cohorts including 12 million individuals. In: Diabetologia, 2019, 62: 1550-1560