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Diabetes und Psyche

Die Kraft des positiven Denkens

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Sebastian Schmid

Negative Gefühle können nicht nur unglücklich, sondern auch krank machen. Bei Menschen mit Diabetes erhöhen sie nicht nur den durch die Krankheit bedingten Stress, sondern können auch den Langzeit-Blutzuckerwert ansteigen lassen. Das zeigt eine neue Studie aus den USA.

Menschen mit Diabetes sind einem erhöhten Stresslevel ausgesetzt: Sie müssen auf ihre Ernährung achten, regelmäßig den Blutzucker messen und dazu auch noch den Frust und die Hilflosigkeit aushalten, wenn – trotz aller Disziplin – die Werte schlechter sind, als sie sein sollten. Dazu kommt die Angst vor Folgeerkrankungen.

Umfragen zufolge fühlt sich fast die Hälfte aller Personen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes durch diesen Dauerstress, in der Fachsprache „Diabetes-Distress“ genannt, beeinträchtigt. Und das ist noch nicht alles: Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass der Diabetes-Distress einhergeht mit einer verringerten Fürsorge für den eigenen Diabetes und einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Der Stress verschlechtert also den Gesundheitszustand noch zusätzlich.

Einen guten Umgang mit negativen Gefühlen lernen

Doch wie lässt sich dieser Teufelskreis durchbrechen? Ein interdisziplinäres Forschungsteam aus den USA konnte zeigen, dass der Diabetes-Distress abhängig ist von der Art und Weise, wie die Betroffenen negative Gefühle wahrnehmen, verarbeiten und steuern. Wer über eine gute „Emotionsregulation“ verfügt, kann demnach den Diabetes-Distress-Level senken und damit auch die HbA1c-Werte verbessern.

Für ihre Untersuchungen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 298 Menschen mit Diabetes – 125 vom Typ-1 und 173 vom Typ-2 – analysiert, die zwischen 2012 und 2016 im Kolver Diabetes Center Program des University of Chicago Medical Center behandelt und zu ihrem psychischen und physischen Zustand befragt worden waren. Die Forschenden konzentrierten sich bei der Auswertung zum einen darauf, wie die Studienteilnehmenden negative Gefühle erlebten. Zum anderen wurde analysiert, inwieweit die Befragten ihre Reaktionen auf diese Emotionen bewerten und kontrollieren konnten. Aus den beiden Faktoren wurde dann die Fähigkeit zur Emotionsregulation ermittelt. Es zeigte sich, dass diese eng verknüpft ist mit Diabetes-Distress:

  • Probanden und Probandinnen, die starke negative Gefühle erlebten und diese nicht kontrollieren konnten, hatten auch einen hohen Diabetes-Distress-Level.
  • Versuchsteilnehmende hingegen, die weniger negative Gefühle hatten und die Fähigkeit besaßen, diese zu managen, litten unter geringerem Diabetes-Distress.

Die Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten der Therapie. 2 kleinere Studien, die mit ausgewertet wurden, deuteten darauf hin, dass sich durch kognitive Verhaltenstherapie der Diabetes-Distress und die HbA1c-Werte senken lassen. Denkbar sei auch, dass durch eine gezielte Therapie die Emotionsregulation direkt verbessert werden könne.

Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch, dass es hier noch keine gesicherten Daten gebe. Zudem seien die Ergebnisse der Untersuchung nur eingeschränkt repräsentativ, da die Studienteilnehmenden alle mit dem Hintergrund einer psychosozialen Beurteilung in einer Diabetes-Spezialklinik behandelt wurden.

 

Bei diabinfo finden Sie weitere Informationen darüber, wie Diabetes mit der Psyche zusammenhängt und wie sich der Diabetes-Distress besser managen lässt:

Folgeerkrankungen: Gehirn und Psyche 

Typ-2-Diabetes im Alltag: Motivation und Psyche 

Typ-1-Diabetes im Alltag: Motivation und Psyche 

 

Quelle:
Coccaro, E. F. et al.: Emotional Regulation and Diabetes Distress in Adults With Type 1 and Type 2 Diabetes. In: Diabetes Care, 2020, 44: 20-25