Eine Person riecht an einer Orange

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Ernährung

Verbessern Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index und niedriger glykämischer Last die Blutzuckerkontrolle?

Bei Menschen mit Diabetes führt eine Ernährung mit geringem glykämischen Index beziehungsweise glykämischer Last zu niedrigeren Blutzucker-Langzeitwerten und zu verminderten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, so eine aktuelle systematische Übersicht und Metaanalyse. Diese Verbesserungen wurden zusätzlich zu einer bestehenden Medikamenten- oder Insulintherapie beobachtet. Dies deutet darauf hin, dass eine solche Ernährungsform als Zusatzbehandlung besonders hilfreich sein könnte, um Behandlungsziele besser zu erreichen.

 

Glykämischer Index und glykämische Last: Wie schnell wirken sich kohlenhydrathaltige Lebensmittel auf den Blutzuckerspiegel aus?

Der glykämische Index beschreibt die Wirkung von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln auf den Blutzuckerspiegel. Er sagt aus, wie schnell und wie stark der Blutzucker ansteigt, nachdem das Nahrungsmittel gegessen wurde. Richtwert ist der Traubenzucker (Glukose), der den größten Anstieg des Blutzuckers verursacht. Er hat den größten glykämischen Index von 100.

In der Praxis wird häufig auch die glykämische Last (GL) berechnet, um die Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel in Bezug auf die zugeführte Kohlenhydratmenge einschätzen zu können. Sie stellt einen Anhaltspunkt für die Blutzuckerantwort auf eine Portion des kohlenhydrathaltigen Lebensmittels dar.

Nahrungsmittel mit komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen haben generell einen niedrigeren glykämischen Index. Darunter zählen insbesondere Gemüse, die meisten Früchte, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.

Ziel einer Diabetes-Behandlung ist es, den Blutzuckerspiegel möglichst konstant in einem normnahen Bereich zu halten. Der Blutzuckeranstieg beispielsweise nach einer Mahlzeit sollte möglichst gering und flach sein. Der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c-Wert) gibt Aufschluss darüber, wie hoch der durchschnittliche Blutzucker in den letzten 8 bis 12 Wochen war.

 

Ernährungsmuster mit niedrigem GI/GL senken den HbA1c-Wert

Die Forschungsergebnisse beruhen auf 27 randomisierten kontrollierten Studien, die bis Mai 2021 veröffentlicht wurden und die Wirkung von Kostformen mit niedrigem GI/GL bei Diabetes über 3 oder mehr Wochen untersuchten. An den Studien nahmen insgesamt 1.617 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes teil. Diese waren überwiegend mittleren Alters, übergewichtig oder fettleibig (adipös) und wiesen einen mäßig eingestellten Diabetes (durchschnittlicher HbA1c: 7,7%), der mit Medikamenten oder Insulin behandelt wurde, auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass Ernährungsmuster mit niedrigem GI/GL-Gehalt im Vergleich zu Kontrolldiäten mit höherem GI/GL-Gehalt mit einer geringen, aber klinisch bedeutsamen Senkung des HbA1c-Wertes verbunden waren.

Auch andere Risikofaktoren wie Nüchternblutzucker (Blutzuckerspiegel nach einer Nüchternperiode), LDL-Cholesterin, Körpergewicht und C-reaktives Protein (ein chemischer Stoff, der mit Entzündungen in Verbindung gebracht wird) wurden gesenkt. Nicht verbessert haben sich jedoch Blutinsulinspiegel, HDL-Cholesterin, Taillenumfang oder Blutdruck.

 

Fazit: Ernährungsmuster mit niedrigem GI/GL stellen sichere Ernährungsstrategie dar

Die Forschenden weisen auf einige Einschränkungen hin, die sich auf ihre Ergebnisse ausgewirkt haben könnten: Zum Beispiel die Ungenauigkeit der Nachweise für die Wirkung von Ernährungsmustern mit niedrigem GI/GL auf LDL-Cholesterin und Taillenumfang sowie die geringe Anzahl verfügbarer Vergleichsstudien für Blutdruck und Entzündungsmarker.

Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Ernährungsmuster mit niedrigem GI/GL als eine sichere Ernährungsstrategie angesehen werden können, die zu kleinen bedeutsamen Reduzierungen des primären Ziels für die Blutzuckerkontrolle bei Diabetes und anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen führen kann.

Die vorliegende systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse wurde durchgeführt, um die Aktualisierung der Leitlinien für die klinische Praxis der Europäischen Diabetes Gesellschaft (European Association for the Study of Diabetes (EASD)) zu untermauern.

 

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Quelle:

Chiavaroli, L. et al.: Effect of low glycaemic index or load dietary patterns on glycaemic control and cardiometabolic risk factors in diabetes: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. In: BMJ, 2021, 374: n1651