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Lohnt sich eine intensive Lebensstilintervention auch langfristig?

Eine intensive Lebensstilintervention kann erhebliche Vorteile für Menschen mit Diabetes und Adipositas bringen. Forschende haben nun untersucht, welche langfristigen Auswirkungen ein Gewichtsverlust haben kann. Unter anderem wurden der HbA1c-Wert sowie mikro- und makrovaskuläre Ereignisse untersucht.

 

Bereits kurzfristig zeigen intensive Lebensstilinterventionen viele Vorteile

Es ist bekannt, dass eine intensive Lebensstilintervention sowohl kardiometabolische als auch makro- und mikrovaskuläre Risikofaktoren bei Menschen mit Diabetes und Adipositas verbessern kann. Weiter zeigen bisherige Forschungsergebnisse, dass Personen, die an einem 12-wöchigen intensiven Lebensstilinterventionsprogramm teilgenommen und ein Jahr später immer noch mindestens 7 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten, eine hohe Chance haben, das Gewicht auch langfristig halten zu können. Dies gilt besonders für Menschen mit Adipositas und Diabetes.
 

Studie untersucht erstmals Zeitraum von 10 Jahren

Forschende des Joslin Diabetes Center in Boston untersuchten nun erstmals, wie eine intensive Lebensstilintervention die Gesundheit von Menschen mit Diabetes über einen Zeitraum von 10 Jahren beeinflusst.

Die Forschenden beobachteten dafür 129 Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 und Adipositas, die an einem 12-wöchigen Programm zur Lebensstiländerung teilnahmen. Nach einem Jahr wurden die Teilnehmenden in 2 Gruppen aufgeteilt:

  • Gruppe A: Personen, die weniger als 7 Prozent ihres Körpergewichts verloren hatten
  • Gruppe B: Personen, die mindestens 7 Prozent ihres Körpergewichts abgenommen hatten

Diese Gruppen wurden 10 Jahre lang nachbeobachtet.

 

Wer mehr Körpergewicht verliert, hat langfristig positivere Ergebnisse

Während der Intervention nahm die gesamte Studiengruppe durchschnittlich 10,8 kg (9,7 Prozent) ihres Körpergewichts ab. Nach 10 Jahren hatten alle Teilnehmenden immer noch etwa 7,7 kg (6,9 Prozent) Körpergewicht verloren. Gruppe B, die mehr Gewicht verloren hatte, konnte den Gewichtsverlust über die Zeit hinweg besser aufrechterhalten.

Gleiches zeigte sich auch in Bezug auf den HbA1c-Wert: Dieser war in beiden Gruppen zu Beginn der Studie gesunken und stieg im Laufe der Jahre wieder an. In Gruppe B (Baseline: 7,4 % (57,38 mmol/mol) vs. 12 Wochen: 6.4 % (46,45 mmol/mol) vs. 10 Jahre: 7.3 % (56,28 mmol/mol)) blieb der HbA1c-Wert jedoch niedriger als in Gruppe A (Baseline: 7.5 % (58,47 mmol/mol) vs. 12 Wochen: 6,7 % (49,73 mmol/mol) vs. 10 Jahre: 8.0 % (63,93 mmol/mol)).

Die Teilnehmenden, die nach einem Jahr mehr als 7 Prozent ihres Körpergewichts abgenommen hatten (Gruppe B), hatten zudem ein um 68 Prozent geringeres Risiko über einen Zeitraum von 10 Jahren eine Nephropathie zu entwickeln. Allerdings bestand kein Zusammenhang zwischen der Aufrechterhaltung des Gewichtsverlusts von mindestens 7 Prozent nach einem Jahr und dem Auftreten einer Retinopathie oder einer peripheren Neuropathie. Das Risiko für eine diabetische Retinopathie war jedoch für beide Gruppen um 8 Prozent erhöht, wenn die Diabetes-Dauer um 1 Jahr anstieg.

 

Auswirkungen auf das Lipidprofil

Trotz der Gewichtszunahme während der 10 Jahre, zeigten sich in Gruppe A, die weniger Gewicht verloren hatte, signifikante Verbesserungen des LDL- und HDL-Cholesterins. Der Blutdruck blieb über die Nachbeobachtungszeit unverändert, allerdings verschlechterten sich die Triglycerid-Werte in Gruppe A deutlich. Erhöhte Triglyceride und LDL-Cholesterin-Werte sind mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden.

In Gruppe B, die mehr Gewicht verloren hatte, lagen ähnliche Verbesserungen des Lipidprofils vor. Zudem wies diese Gruppe einen positiveren Trend bei den Triglyceriden, ohne signifikanten Anstieg nach 10 Jahren, auf.

Die Studie konnte zeigen, dass eine Gewichtsreduktion bei Menschen mit Diabetes in der klinischen Praxis bis zu 10 Jahre lang aufrechterhalten werden kann. Damit verbunden ist eine langfristige Senkung des HbA1c-Wertes. Wird erneut Gewicht zugenommen, ist zu erwarten, dass sich auch der HbA1c-Wert und die Triglycerid-Werte verschlechtern, während andere Lipidverbesserungen bestehen bleiben können.

 

Quelle:

Tomah, S. et al.: Long-term effect of intensive lifestyle intervention on cardiometabolic risk factors and microvascular complications in patients with diabetes in real-world clinical practice: a 10-year longitudinal study. In: BMJ Open Diab Res Care, 2023, 11: e003179