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Häufigeres Auftreten von Ketoazidose bei Kindern und Jugendlichen

Wie stand es um Fälle von Ketoazidose bei jungen Menschen mit neu aufgetretenem Diabetes während der ersten 2 Monate der COVID-19-Pandemie in Deutschland? Dieser Frage ist ein Forschungsteam in einer deutschlandweiten Untersuchung nachgegangen. Hintergrund war die generell gesunkene Zahl von Arztbesuchen, die potentiell zu verspäteten medizinischen Diagnosen führte.

Die Forschenden verglichen das Auftreten von diabetischer Ketoazidose und schwerer diabetischer Ketoazidose zwischen Mitte März und Mitte Mai dieses Jahres, als die meisten Schulen und Kindergärten coronabedingt geschlossen waren, mit den vergleichbaren Zeiträumen der letzten beiden Jahre.

Die Daten stammten aus der Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), einem bundesweiten Register, in dem über 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einem Typ-1-Diabetes in Deutschland erfasst sind.

Untersucht wurden die Angaben zu 532 Kindern und Jugendlichen mit einem neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes aus 216 Diabeteszentren.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • In der untersuchten Zeitspanne im Jahr 2020 wiesen fast 45 Prozent eine diabetische Ketoazidose auf, und etwas über 19 Prozent eine schwere Ketoazidose.
  • Diese Zahlen liegen deutlich höher als im gleichen Zeitraum der vergangenen beiden Jahre.
  • Im Jahr 2019 trat die diabetische Ketoazidose im Vergleichszeitraum bei fast 25 Prozent beziehungsweise 24 Prozent in 2018 auf. Eine schwere diabetische Ketoazidose wurde bei knapp 14 Prozent respektive rund 12 Prozent in 2018registriert.
  • Am stärksten betroffen waren Kinder unter 6 Jahren.

Die Gründe für diesen Anstieg mögen vielschichtig sein, spiegeln jedoch das verringerte medizinische Angebot wider, wie auch die Furcht, dieses während der COVID-19-Pandemie zu nutzen.

Einschränkend geben die Autoren an, dass bei dieser Studie der soziökonomische Status der Kinder sowie eine mögliche erbliche Vorbelastung außer Acht gelassen wurden.

Dennoch diskutieren die Autoren Maßnahmen wie eine bessere Ausbildung des Fachpersonals oder ein Betazellen-Antikörper-Screening zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes als Möglichkeiten, die Rate von diabetischen Ketoazidosen beim Neuauftreten von Typ-1-Diabetes zu senken.

Eine diabetische Ketoazidose ist eine gefährliche akute Entgleisung des Stoffwechsels, die mit Insulinmangel und einer starken Überzuckerung einhergeht. Sie betrifft meist Menschen mit Typ-1-Diabetes und kann sich sehr schnell und ohne Vorwarnung entwickeln. Bei Kindern führt häufig erst eine Ketoazidose zur Diagnose Typ-1-Diabetes.

Lesen Sie hier mehr über Ursachen, Warnzeichen und Behandlung einer Ketoazidose.

Eine Übersicht klinischer Studien zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Thema Corona und Diabetes finden Sie hier.

 

Quelle:

Kamrath, C. et al.: Ketoacidosis in Children and Adolescents With Newly Diagnosed Type 1 Diabetes During the COVID-19 Pandemic in Germany. In: JAMA, 2020. doi:101001/JAMA.2020.13445